Ein Gemälde für Versicherung und Katalog fotografieren

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Der Besitzer eines Bildes braucht früher oder später ein Foto davon: für die Police, für eine Schätzung, für den Weiterverkauf, einfach fürs eigene Archiv. Es scheint einfach — das Telefon draufhalten und auslösen. In der Praxis sind die meisten Aufnahmen unbrauchbar: Reflex auf dem Firnis, verzerrte Geometrie, verfälschte Farbe.
Sehen wir uns an, wie man eine Arbeit richtig aufnimmt, ohne besondere Ausrüstung.
Wozu es überhaupt gebraucht wird
Drei Situationen, in denen ein gutes Foto nötig ist.
Versicherung. Der Versicherer verlangt ein Foto der Arbeit für den Abschluss und als Nachweis im Schadensfall. Die Aufnahme muss vor dem Ereignis entstehen, nicht danach.
Schätzung und Weiterverkauf. Das Erste, was ein möglicher Käufer oder Gutachter sieht, ist das Foto. Eine schlechte Aufnahme verbilligt eine gute Arbeit.
Persönliches Archiv. Wird die Arbeit gestohlen oder beschädigt, ist das Foto der einzige Beleg, wie sie aussah. Dazu die Festhaltung des Zustands zu einem bestimmten Datum.
Das Hauptproblem: der Reflex
Eine Ölarbeit, zumal gefirnisst, spiegelt. Direktes Licht erzeugt einen Reflexfleck, der einen Teil des Bildes verschluckt.
Die Lösung ist nicht, gegen das Licht anzukämpfen, sondern es richtig zu setzen.
Streiflicht seitlich. Zwei Quellen zu beiden Seiten des Bildes, im Winkel von etwa 45 Grad. Das Licht streift über die Oberfläche, ohne direkt ins Objektiv zu spiegeln. So fotografiert man in Museen.
Diffuses Tageslicht. Der einfachste Weg zu Hause. Stellen Sie die Arbeit an einem bewölkten Tag ans Fenster oder so, dass indirektes Licht darauf fällt. Direkte Sonne taugt nicht — sie spiegelt und überstrahlt.
Was zu unterlassen ist. Nicht mit Blitz — er gibt einen Fleck genau in der Mitte. Nicht unter einem Kronleuchter — das Oberlicht spiegelt sich im unteren Teil der Leinwand.
Geometrie
Das zweite Problem ist die Verzerrung. Fotografiert man von der Seite oder von unten, wird aus dem Rechteck des Bildes ein Trapez.
Die Kamera genau vor der Bildmitte. Das Objektiv auf Höhe der Leinwandmitte, senkrecht zur Fläche. Nicht seitlich, nicht von oben, nicht von unten.
Abstand. Treten Sie weiter zurück und zoomen Sie heran, statt aus der Nähe zu fotografieren. Eine Nahaufnahme mit Weitwinkel verzerrt die Kanten — die Mitte wölbt sich, die Ecken kippen.
Kontrolle. Die Bildkanten sollten auf der Aufnahme parallel zu den Bildrändern verlaufen. „Fällt“ die Leinwand zu einer Seite — steht die Kamera schräg.
Ein Stativ hilft, ist aber nicht nötig. Es genügt, sich abzustützen und gerade auszulösen.
Farbe
Das dritte Problem: Die Farbe auf der Aufnahme stimmt nicht mit dem Original überein.
Bei neutralem Licht fotografieren. Eine Glühlampe gibt Gelb, eine Leuchtstoffröhre Grün oder Blau. Am treffendsten ist die Farbe bei diffusem Tageslicht.
Automatische Filter abschalten. Telefone „verbessern“ die Aufnahme: mehr Sättigung, Kontrast, Wärme. Für ein Dokumentationsfoto schädlich — schalten Sie die Verbesserungsmodi ab und fotografieren Sie so neutral wie möglich.
Ein Bezugspunkt im Bild. Ist die Farbe kritisch (für die Schätzung, für den Katalogdruck), legen Sie ein Blatt weißes Papier daneben. Es gibt einen Bezugspunkt für den Weißabgleich.
Was zu fotografieren ist
Der vollständige Satz für Versicherung und Archiv ist nicht eine einzige Aufnahme.
Gesamtansicht. Die ganze Arbeit vollständig, gerade, ohne Reflex. Die Hauptaufnahme.
Ausschnitte in Nahaufnahme. Zwei, drei Detailaufnahmen: ein charakteristischer Pinselstrich, der Bereich mit der Signatur, jede Besonderheit. Belege der Echtheit und Festhaltung der Faktur.
Signatur. Eine eigene Nahaufnahme der Künstlersignatur.
Rückseite. Zwingend. Keilrahmen, Beschriftungen darauf, Werkverzeichnisnummer, Stempel, Aufkleber. Der aufschlussreichste Teil zur Identifikation.
Ansicht von der Seite. Eine Aufnahme im Winkel, die Faktur und Relief des Pinselstrichs zeigt. Das unterscheidet Original von Druck.
Praktische Anleitung
Kurz, in Schritten.
- Arbeit senkrecht bei diffusem Tageslicht aufstellen
- Kamera genau vor der Mitte, senkrecht
- Blitz und Verbesserungsmodi ausschalten
- Zurücktreten und heranzoomen, nicht aus der Nähe
- Prüfen, dass die Kanten parallel zum Bild verlaufen
- Gesamtansicht, Ausschnitte, Signatur, Rückseite, Seitenansicht aufnehmen
- In voller Auflösung speichern, nicht komprimieren
Häufige Fragen
Kann man ein Bild mit dem Telefon fotografieren?
Ja, ein modernes Telefon liefert genügend Qualität für Versicherung und Archiv. Entscheidend ist nicht die Kamera, sondern Licht und Blickwinkel: diffuses Licht, Kamera vor der Mitte, ohne Blitz.
Wie wird man den Reflex auf dem Firnis los?
Setzen Sie das Licht nicht direkt vor die Arbeit. Nutzen Sie Streiflicht im Winkel von 45 Grad von beiden Seiten oder diffuses Tageslicht. Eine direkte Quelle gibt immer einen Reflex.
Braucht es für die Versicherung ein professionelles Foto?
Nicht zwingend. Dem Versicherer genügt eine scharfe Aufnahme, auf der Arbeit, Signatur und Rückseite zu sehen sind. Eine professionelle Aufnahme braucht es für den Auktionskatalog oder den Druck, nicht für die Police.
Stellen Sie beim Kauf Fotos der Arbeiten bereit?
Ja. Jede Arbeit wird vor der Übergabe fotografiert, samt Rückseite und Zertifikat in einem Bild. Diese Aufnahmen werden dem Käufer mit der Arbeit übergeben.
Jede Arbeit aus dem Atelier wird mit einem Satz Fotos für Versicherung und Archiv übergeben. Wenn Sie Rat zum Fotografieren einer bestimmten Arbeit brauchen — schreiben Sie mir.


